Der Vertrag in der Transaktionsanalyse –
ein wichtiger Schritt in Richtung Autonomie

In der Transaktionsanalyse bezieht sich der Begriff «Autonomie» auf die Fähigkeit einer Person, unabhängige Entscheidungen zu treffen, selbstständig zu handeln und Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen.

Verträge in der Transaktionsanalyse sind wichtig, da sie die Grundlage für die Art und Weise bilden, wie wir Menschen miteinander kommunizieren und in Beziehung treten. Indem wir uns bewusst werden, welche Verträge bestehen, können wir die Qualität der Interaktionen verbessern und effektivere Kommunikationsmuster entwickeln.

Was sind in der Transaktionsanalyse Verträge?

In der TA beziehen sich «Verträge» auf informelle und formelle Vereinbarungen zwischen Individuen, die zusammenkommen und in irgendeiner Weise zusammenarbeiten oder gemeinsam etwas erreichen wollen. Diese Verträge sind oft implizit und können ausdrücklich oder unausgesprochen sein. Dieses Konzept der Verträge ist eng verknüpft mit dem zentralen Konzept der Autonomie in der Transaktionsanalyse. Autonomie bedeutet, dass eine Person in der Lage ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, unabhängig zu handeln und die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Dabei ist sie im Denken, Fühlen und Handeln möglichst frei von inneren, einschränkenden Stimmen. Beim Konzept der Autonomie betont Eric Berne die Bedeutung von drei Schlüsselfähigkeiten, um diese zu erreichen. Eine dieser Fähigkeiten ist Bewusstheit, die die Fähigkeit umfasst, die Welt in ihrer Realität wahrzunehmen. Als zweite essentielle Fertigkeit nennt er Spontaneität. Zusätzlich dazu gilt es, die Fähigkeit zur Intimität zu entwickeln, um wahre Autonomie zu erlangen (vgl. Berne, 1983: S. 190).

Durch Verträge können Menschen ihre Autonomie stärken, indem sie klare Grenzen und Erwartungen setzen und eine gesunde Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) in Beziehungen aufrechterhalten.

So fördern Verträge in der Transaktionsanalyse die Autonomie

Nachfolgend wird beschreiben, wie Verträge die Autonomie in der Transaktionsanalyse fördern können:

  1. Vereinbarungen treffen: Verträge sind Vereinbarungen, die zwischen den Beteiligten getroffen werden. Dies ermöglicht es den Individuen, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Beziehungen zu beteiligen und sicherzustellen, dass ihre Bedürfnisse und Interessen berücksichtigt werden.
  2. Grenzen setzen: Individuen können durch Verträge klare Grenzen festlegen, um zu kommunizieren, welche Verhaltensweisen oder Handlungen für sie akzeptabel sind. Dies hilft, Manipulationen oder Dominanz zu vermeiden und unterstützt die Autonomie, da sie in der Lage sind, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. 
  3. Bedürfnisse ausdrücken: Durch Verträge können Menschen ihre Bedürfnisse und Wünsche offenlegen und mit anderen verhandeln, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden können. Dies fördert die Autonomie, da sie ihre eigenen Wünsche identifizieren und um ihre Erfüllung bitten können.
  4. Klare Kommunikation: Verträge fördern eine klare und offene Kommunikation zwischen den Beteiligten. Dadurch können Missverständnisse vermieden werden und die Beteiligten können ihre Positionen und Erwartungen besser verstehen und respektieren.
  5. Verantwortung übernehmen: Verträge geben den Menschen die Möglichkeit, ihre Verantwortung in Beziehungen anzuerkennen und die Konsequenz ihres Handelns zu akzeptieren. Indem sie die Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen, stärken sie ihre Autonomie und entwickeln ein gesundes Mass an Selbstbestimmung.

Damit ein Vertrag wirkungsvoll ist, wird er in einer kurzen Fassung klar und verständlich formuliert, die einzelnen Punkte sind positiv formuliert und für beide Seiten ist er akzeptabel. 

Verträge können in der Transaktionsanalyse explizit oder implizit sein

Es ist wichtig anzumerken, dass Verträge in der Transaktionsanalyse nicht immer explizit sein müssen. Manchmal können sie auch implizit sein, basierend auf Mustern des Verhaltens und der Kommunikation, die sich im Laufe der Zeit entwickeln. Das Konzept des impliziten Vertrags geht davon aus, dass Menschen in sozialen Interaktionen oft bestimmt Erwartungen und Annahmen darüber haben, wie andere Menschen sich verhalten und wie sie selbst reagiere sollten. Diese Erwartungen und Annahmen können durch frühere Erfahrungen und Kultur, Gesellschaftsnormen und persönliche Überzeugungen geprägt sein.

Verfasst von Cornelia Nellen, Kursleiterin TA Schweiz

Quellen:

  • Leonard Schlegel; Die Transaktionsanalyse – DSGTA (Deutschschweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse) 6. Auflage 2020
  • Berne, Eric: Was sagen Sie nachdem Sie «Guten Tag gesagt haben?»; 1983, Fischer Taschenbuchverlag, 20. Auflage
  • Angelika Glöckner – Verträge in der TA/Februar 2010